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Höhere Entwicklung in der bildenden Kunst?

Einige Gedanken zur Kunst

Es ist unglaublich, welchen Unsinn man in diversen Medien vorgesetzt bekommt. So liest man beispielsweise, daß Joseph Beuys die Kunst neu erfunden habe – um dann in einem anderen Printmedium zu lesen, daß Andy Warhol das getan hätte. Beides ist natürlich absoluter Unsinn.
Keiner der beiden Unkünstler hat die Kunst neu erfunden. Das konnten sie nicht, da beide von wirklicher Kunst nichts verstanden. Sie waren aber erstklassige Blender, die aus ihren unkünstlerischen Machwerken das Maximum an Geld herauspreßten, das irgendwie ging. Vieles davon ist der damaligen (und heutigen) Politik der USA geschuldet – mit Hilfe der CIA hat man beispielsweise versucht, den Unkünstler Jackson Pollock und seine „Tropfbilder” zur „großen Kunst” zu erklären, die die Überlegenheit des Westens in Bezug auf die Freiheit der Kunst dem damaligen Ostblock der UdSSR beweisen sollte. In der Einflußsphäre der UdSSR wurde an den Akademien wirklich Kunst(technik) gelehrt, wenngleich die Inhalte der Kunst den Herrschenden zu dienen hatte. Doch das war immer und in allen politischen Systemen so gewesen. Der Unterschied zu den „Künstlern” der westlichen Einflußsphäre ist evident: Im US-amerikanischen Bereich spannte man Unkünstler vor den Karren der Politik, was diese natürlich aus finanziellen Gründen begrüßten. Und das kleine Ego dieser Unkünstler wurde aufpoliert, bis sich diese Unkünstler tatsächlich für Künstler hielten. Leider pflanzt sich diese politische Indoktrination bis heute fort. Seltsamerweise wird heute gerade diese unheilvolle Entwicklung besonders von marxistischer Seite weitergepflegt. Und die sogenannten Liberalen haben das Denken auf dem künstlerischem Gebiet leider oft schon aufgegeben, weil sie den Propagandatricks der „veröffentlichten Meinung” auf den Leim gegangen sind – diese gilt heute als die „öffentliche Meinung” (zumindest bei Nichtdenkern). Im 19. und noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Gemälde meist nicht als „Wertanlage” und Spekulationsobjekt gekauft, sondern es war die ästhetische Präferenz – oder sagen wir schlichter: Es war das Wohlgefallen an einem Bild, das zu einem Ankauf bewog. Seit der Indoktrination – vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg – werden Bilder vor allem als Handelsobjekte betrachtet – die Gefühle, die sie auslösen (meistens keine), sind absolut nachrangig geworden. Ich bin dessen gewärtig, daß nun manche Kunstkritiker, Galeristen und sonstige Geschäftemacher aufheulen und in mir den wahren „Gottseibeiuns“ der Kunst sehen werden und einen Bannfluch samt Exorzismus wider mich schleudern werden, weil ich es wage, die Säulenheiligen der „modernen Kunst“ abzuqualifizieren. Mit dem Lächeln des Philosophen werde ich auch diesmal über diese Attacken hinweggehen. Gerade diese Angriffe von Geschäftemachern beweisen aufs Eindringlichste die Richtigkeit meiner Aussagen.
Das Kunstwollen und Kunstschaffen des rätselhaften Zweibeines »Mensch« begann nicht mit realistischen oder gar naturalistischen Darstellungen seiner Umwelt. Das ist ja nur zu verständlich, da der Mensch der Morgenfrühe seiner Geschichte ganz andere Sorgen hatte. Er mußte sich gegen wilde Tiere verteidigen – meist entzog er sich eher durch Flucht. Die Nahrung mußte äußerst mühsam beschafft werden – und gar oft waren die Jagdbemühungen des frühen Menschen nicht von Erfolg gekrönt. Den oft dramatischen Wechselfällen der Witterung mußte er trotzen und für seine Nachkommen sorgen. Da blieb praktisch keinerlei Zeit für „zweckfreie“ Dinge. Und Kunst ist erst möglich, wenn etwas Zeit bleibt, die nicht dem Überlebenskampf gilt. Erst dann ist es möglich etwas zu tun, das ganz außerhalb der sonstigen vielfältigen Tätigkeiten liegt. Und als so ein Mensch der damaligen Zeit etwas Muße hatte, wird er in seinem Tätigkeits- und Bewegungsdrang vielleicht einen Stock ergriffen haben und einige Spuren in den Sand oder Lehm geritzt haben. Seien es nun nur Punkte durch das Hineinstechen des spitzeren Endes des Stockes oder aber Linien. Aber damit hat er eine Entwicklung in Gang gesetzt, die über die unvorstellbar langen Zeiträume bis zu den gewaltigen Kunstwerken der Renaissance, des Barock und des Realismus (auch des Imaginativen Realismus!) geführt haben. 
Betrachten wir nun die Entwicklung der Kunst von zwei Sichtweisen aus: zum Einen historisch und zum Anderen bei der Entwicklung der Kinder. Wollen wir beim Zweiten beginnen, da das für viele Menschen leichter nachvollziehbar ist. 
In allen Kindern der Welt gibt es den Drang zum „Kritzeln”. Sind es vielleicht anfänglich nur wirre Linien und Punktegebilde (die es übrigens auch bei anderen Primaten gibt, wie Desmond Morris mit Hilfe eines zeichnenden und malenden Orang Utan-Weibchens bewiesen hat), so bildet sich mit der Zeit der frühkindlichen Entwicklung so etwas wie ein Symmetrieempfinden heraus, das auch bei Primaten auftritt. Das Kleinkind weiß zwar noch nicht, was es darstellt oder darstellen will – aber es gibt bereits Gewichtungen und deren Ausgleich. Der Mensch ist in der Entwicklung vor allem durch die Nachahmung gekennzeichnet. Sieht das Kind nun eine Bezugsperson oder ein anderes Kind zu einem Werkzeug greifen, das sich dazu eignet etwas zu „schaffen” und aufzuzeichnen, dann wird es seinem Nachahmungstrieb folgen und desgleichen tun wollen. Nach der universell auftretenden „Kritzelphase” kommt die Phase, die den Menschen Zeit seines Lebens begleiten wird: Das Kind zeichnet nicht, was es sieht – das ist ihm auf Grund der mangelnden Fähigkeit dazu noch verwehrt – es zeichnet, was es „weiß”. Niemand auf der Welt zeichnet oder malt etwas anderes als er weiß. Das ist auch im Stadium des Erwachsenen nicht wirklich anders. Der grundlegende Unterschied zum Kind – um hier ein wenig vorzugreifen – ist das technische Können der Handhabung der Materialien und auch, daß der Erwachsene auf Grund seiner inzwischen gewonnenen Erfahrung mehr weiß. Aber zurück zur Entwicklung bei Kindern.
Bis zum Alter von sechs Jahren gibt es in der Regel noch keine Beziehung zwischen der Menschenzeichnung und der kognitiven Leistungsfähigkeit eines Kindes. Das Kind muß zuerst die feinmotorischen Fertigkeiten entwickeln, die Inhalte, die es sich vorstellt, auch aufs Papier zu bringen. Natürlich gibt es dabei – wie überall sonst auch – große Ausnahmen. Wenn Vierjährige noch keine Menschen zeichnen, heißt das also nicht, daß sie einen Entwicklungsrückstand haben; sie sind allenfalls feinmotorisch nicht so weit entwickelt wie andere. Um zu bestimmen, wo ein Kind in seiner Entwicklung steht, dürfen daher nicht nur Zeichnungen, sondern muß die gesamte Entwicklung des Kindes umfassend beurteilt werden. Allerdings sollte man sich dabei nicht von neo-darwinistischen Annahmen verleiten lassen, daß ein (noch zum Teil) magisches Weltbild einen Entwicklungsrückstand bedeutet. Vielmehr bedeutet das Unverständnis mancher Neo-Darwinisten, daß sie vom Wesen der Kunst herzlich wenig verstanden haben. Des Weiteren darf natürlich nicht vergessen werden, daß es Kulturen gibt, die Bilder generell ablehnen (Islam!) und daher künstlerische Äußerungen im Bildschaffen nicht nur nicht fördern, sondern sogar – ihrem magischen Weltbild gemäß – totaliter behindern und verhindern.
Dem Zeichnen ist eine kommunikative und klärende, erkennende Funktion immanent: Die bildliche Darstellung ist der kürzeste Weg von der Idee zu ihrer Mitteilung. Durch das Zeichnen gewinnt ein Kind (und auch ein Erwachsener – sei er nun Künstler oder nicht!) immer wieder neue Informationen. Zeichnen dient vor allem dem Sehen. Denn hier entsteht der direkte Kontakt zwischen Denken, Sehen und Machen. Zeichnen als kürzester Weg von der Idee zu ihrer Sichtbarkeit und Zeichnen, um Sehen zu lernen, das sind zwei Wege, auf denen das Zeichnen zur direkten Auseinandersetzung mit der Realität und den verschiedenen Wirklichkeiten führt. In Ansätzen ist bereits im Grundschulalter – auch wenn Kinder überwiegend aus ihrer Vorstellung zeichnen – ein realitätsbezogenes Darstellungsinteresse vorhanden. Kinder verfügen (zumindest im ersten bis dritten Schuljahr) über ein Repertoire an Schemata, das zunächst als altersspezifisch zu akzeptieren ist. Die Formbestände der jeweiligen Phase (Altersstufe und Entwicklungslage) können zwar variiert und differenziert, aber nicht grundsätzlich durchbrochen werden. Das eben bedeutet, daß der Mensch nur darstellt und darstellen kann, was er „weiß”. Bemerkenswert ist dabei auch, daß einmal begangene Fehler weiterhin beibehalten werden, auch wenn das Kind um diesen Fehler weiß. Es ist eben sehr viel Übung in der Feinmotorik nötig, um die Zeichenwerkzeuge richtig zu handhaben – und ebenso wichtig ist das Üben des Sehens. Oftmals ist bei Erwachsenen das „Nicht- Zeichnen- Können” kein Mangel in der Feinmotorik der Hand (das kann allenfalls dazukommen) – es ist der Mangel, der seinen Grund im nicht genauen Hinsehen hat. Sehen muß man eben lernen. Und das kann man nur bewerkstelligen indem man wieder und wieder bekannte Dinge ansieht – ja sogar anschaut. Das ist ein großer Unterschied: Ansehen bewegt sich an der Oberfläche. Das Schauen sieht auch die „Dinge hinter den Dingen”. Und weil wir schon bei den „Dingen hinter den Dingen” sind: Die wichtigsten Dinge im Leben kann man für Geld nicht kaufen. Und wenn die letzte Stunde naht – woran denkt man dann wohl? Wie hoch der Kontostand ist? Oder wie man seine Zeit verbracht hat? Oder: Habe ich der Menschheit gegeben, was ich ihr zu geben imstande war? Habe ich der Menschheit Gutes gegeben – oder habe ich nur mein Konto und mein kleines Ego gepflegt? Und durch diese letztere Frage sind wir bei den sogenannten „modernen Künstlern” angelangt.
In deren Machwerken offenbart sich oft ein namenloses Grauen, das unvereinbar ist mit dem ursprünglichen Glauben des Menschengeschlechtes an die Existenz von Menschlichkeit. Sie haben dem absoluten Nichts ins Auge geblickt – und sehen in ihm den einzig wahren Götzen, den sie schließlich so sehr internalisiert haben, daß sie ihn geradezu fanatisch anbeten. Es ist immer wieder das Gleiche mit der «modernen Kunst»: Eine Idee, die im Grunde nichts Besonderes ist, und die auch ein Schüler im Kunstunterricht der Unterstufe der AHS ohne weiteres gehabt haben könnte (aber der hat leider diese „betuchte” Lobby nicht, die bei jeder noch so primitiven Schnapsidee glaubt, sich damit profilieren zu müssen) – und eine einflußreiche Lobby, die dieses ganze Talmi entsprechend vermarktet und dem Betrachter durch unglaubwürdige, sprachlich (in durchschaubarer Absicht) geradezu soziologen-barock konstruierte Beschreibungen klarzulegen versucht, daß das entsprechende Machwerk „ein einmaliges modernes Kunstwerk von unübertroffenem Charakter” sei. Wer aber rationale Argumente gegen ein solches „Kunstwerk” vorbringt, der wird sofort als „unverständiger Kunstbanause” abgestempelt und verhöhnt. 
Woran liegt es, daß solche Machenschaften in der heutigen Zeit überhandnehmen? Zum Einen liegt es ganz gewiß daran, daß den meisten „modernen Künstlern” nicht nur die künstlerische, sondern auch die (kunst)technische Potenz absolut fehlt. Was aber an Potenz fehlt, das versucht man durch das „Viagra” des Sprachdurchfalles zu ersetzen. Das ist selbstredend ein fruchtloser Versuch. Der zweite Grund ist mit Sicherheit in der Ziellosigkeit des Nihilismus und der „Spaßgesellschaft” zu verorten. Diese seltsame Gesellschaft, die die Flachheit des Vergnügens auf ihre Fahnen geheftet hat, ist schlichtweg durch die Dauerberieselung der „Umerzieher” gehirngewaschen und versucht die grauenvolle Leere in Kopf und Herz durch kurzlebiges Vergnügen zu ersetzen. Es wirkt wie der Totentanz einer ehemals großartigen Kultur. 
Jedoch unter der Oberfläche dieses wahrhaft schlimmen Sittengemäldes formieren sich schon seit langer Zeit die Gegenkräfte und erstarken von Jahr zu Jahr. Es sind die bislang totgeschwiegenen Künstler, die diesem Totentanz trotzen und ausgehend von der großen Tradition der europäischen Kunst zu den menschengerechten Formen des Kulturschaffens zurückgefunden haben, die sich dem Wahnsinn des paranoiden Nihilismus widersetzen. Oftmals sind sie selbst aus dem Umfeld des allgegenwärtigen Nihilismus gekommen. Doch eines Tages hat sie die Sinnkrise erfaßt. Mitunter haben sie jahrelang mit dieser Krise und letztlich mit sich selbst gerungen. Das sind die Ehrlichen unter den Künstlern. Sie haben schlußendlich eine Antwort für sich selbst gefunden. Es war keinerlei Resignation dabei – es war vielmehr ein gewaltiger Aufbruch: Sie haben begriffen, daß man nur dort ansetzen kann, wo der Irrweg in der Kunst begonnen hat. Konsequent haben sie zum Menschen und seiner tatsächlichen Umwelt zurückgefunden. Anders aber als die „Miserabilisten”, die den Menschen nur zerstückt, gequält und als Monster abbildeten und schilderten, zeigen sie den Menschen in seinem tatsächlichen «So-Sein», wie sie ihn vorfinden. Sie haben verstanden, daß die schnöden Auswüchse des menschlichen Verhaltens – Perversion, Schändung, Mißbrauch und Verhöhnung – nicht der Normalzustand der menschlichen Gesellschaft sind. Der Mensch in und mit seiner Erotik ist ihnen kein Tabu – aber sie zeigen diese Erotik nicht als Pornographie, sondern als normalen, schönen Bestandteil des Erdenlebens. Auch die Darstellung der Landschaft ist in ihre Werke wieder eingeflossen. Vielleicht zeigen sie Phantastisches, Irreales und Traumhaftes – aber sie zeigen das alles mit großem technischem Können. Sie versteigen sich nicht in Bereiche, die nur einem kranken Gehirn entspringen können. Und meist sind diese Künstler bescheidene Menschen, die in sich selbst gefestigt sind. Aber sie sind die eigentlichen Meister der zeitgenössischen Kunst. Sie arbeiten still und beharrlich an ihren Werken und scheren sich keinen Deut um den Zeitgeist. Sie wissen, daß derjenige, der sich dem Zeitgeist vermählt, sehr rasch Witwer wird. Sie haben meistens ein positives Weltbild mit philosophischem Unterbau, der ihnen die nötige Standhaftigkeit verleiht. Und mit zähem Willen schaffen sie Werk um Werk, das zukünftigen Generationen ein Menschenbild zurückgibt, für das es zu leben lohnt. Sie säen und wissen nichts davon, wie die Frucht reifen wird – aber sie wissen, daß die Ernte, die in späterer Zeit eingebracht werden kann, sehr reich sein wird. Es ist unsere Generation von Künstlern, die der Kontinuität der großen europäischen Kunst und Kultur dient. Und wir wissen uns geborgen in einer großen Ahnenreihe, die von der Antike bis ins fünfte und sechste Jahrtausend reichen wird.